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Maximilian Cikanek über die Wallbox als private Ladestation

Bild: Maximilian Cikanek
Maximilian Cikanek im Energieheld-Interview

Wer ein Elektroauto besitzt, braucht eine professionelle Lösung, um es aufzuladen. Öffentliche Ladestationen, auch Stromtankstellen genannt, sorgen dafür, dass Elektroautofahrer ihr Fahrzeug auch unterwegs laden können, doch wie ist es mit Ladelösungen für Zuhause?

Maximilian Cikanek ist als Business Development Manager bei den Centralschweizerischen Kraftwerken tätig. In diesem Zusammenhang beschäftigt er sich intensiv mit diversen Innovationsthemen im Energiebereich, speziell mit dem Themenbereich Elektromobilität.

Dank dieser Rolle kennt er sich auf dem Markt für Wallboxen aus und weiss, worauf es bei der Wahl des richtigen Modells ankommt. Wir haben ihn gefragt, welche Vorteile die Wallbox hat, worauf man beim Kauf und bei der Installation achten sollte und welche Trends er hinsichtliche der Elektromobilität in Zukunft erwartet.


Interview mit Maximilian Cikanek

Wir haben Maximilian Cikanek gebeten, sich einigen Fragen zum Thema Ladestationen, Wallboxen und Co. zu stellen. Das waren seine Antworten:

Herr Cikanek, wie bewerten Sie die aktuelle Situation der Elektromobilität in der Schweiz?

Das Thema Elektromobilität ist mittlerweile in breiten Teilen der Gesellschaft angekommen. Die Nachfrage nach Elektroautos steigt zusehends und bereits im letzten Jahr waren in der Schweiz rund 30’000 Elektroautos unterwegs. Das klingt erst einmal nicht grossartig, aber im Vergleich zu den Vorjahren 2018 und 2017 hat sich die Anzahl mehr als verdoppelt. Die ab 2020 geltenden CO2-Vorschriften werden ihr Übriges tun, damit die Zahl noch weiter und schneller steigt. Das Angebot seitens der Hersteller wird sich ebenfalls noch verbessern.

Dabei ist die Schweiz gut auf einen Anstieg in Sachen E-Mobility vorbereitet. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es laut Chargemap rund 4’500 öffentliche Ladesäulen in der Schweiz, über 500 davon sind sogenannte Schnellladestationen, an denen Elektroauto-Besitzer nur etwa eine halbe Stunde laden müssen. Da fast jede Ladestation mehrere Anschlüsse hat müssen sich E-Autofahrer keine Sorgen machen, keine Möglichkeit zum Laden zu finden. Mindestens so wichtig ist aber ohnehin eine gute Ladelösung für zuhause. Manche hängen ihr E-Auto einfach an die Steckdose, eine deutlich intelligentere Lösung ist dabei aber die sogenannte Wallbox.

Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Wallbox?

Unter dem Begriff Wallbox versteht man im wesentlichen eine Ladestation, die man bei sich Zuhause für das Laden eines Elektroautos verwendet. Wer sich für Elektroautos interessiert, kennt wahrscheinlich öffentliche Ladesäulen, an denen E-Fahrzeuge schnell und einfach aufgeladen werden können. Genau das macht die Wallbox, nur eben am heimische Stellplatz. Mittlerweile gibt es in dieser Hinsicht eine grosse Auswahl verschiedener Anbieter und Modelle mit unterschiedlichen Leistungsklassen, Ausstattungen und Eigenschaften. Von einfachen Modellen mit simpler An-Aus-Schaltung bis hin zur App-gesteuerten Wallbox mit Smart-Home-Anbindung sind die Möglichkeiten bereits heutzutage vielfältig.

Wo liegen die Vorteile einer Wallbox? Was unterscheidet sie von anderen Heimladelösungen wie z.B. dem Juice Booster?

Die Vorteile liegen darin, dass man als Elektroautofahrer flexibel ist und sein Fahrzeug zuhause an seiner privaten Ladeinfrastruktur laden kann. Gegenüber der öffentlichen Ladeinfrastruktur ist das nicht nur praktischer, sondern auf Dauer auch günstiger. Eine vollständige Abhängigkeit von öffentlichen Ladesäulen ist ohnehin nicht empfehlenswert, daher sollte in jedem Fall eine Heimladelösung vorhanden sein, wenn man ein E-Auto fährt.

Die heimische Infrastruktur kann man entsprechend der Anforderungen, die das Auto vorgibt, aufbauen und gleichzeitig in ein System einbinden, beispielsweise mit einer Photovoltaik-Anlage (PV). Das hat den Vorteil, dass sich der Eigenverbrauch insgesamt erhöht und damit der finanzielle Ertrag der PV-Anlage steigt. In Verbindung mit einem Stromspeicher lässt sich dann der gesamte erzeugte Strom optimal nutzen und das eigene Zuhause wird zum «Smart Home». Dadurch ist man nicht nur unabhängiger von Stromanbietern, sondern leistet auch einen erheblichen Beitrag zur Energiewende.

«Eine Wallbox kann optimal in ein Smart-Home System integriert werden.»

In solche Systeme kann eine intelligente Wallbox optimal integriert werden. Andere Heimladelösungen, welche keine Kompatibilität mit Geräten wie einer PV-Anlage oder einem Batteriespeicher bieten, sind hingegen für diese Verwendung ungeeignet. Eine Wallbox ist ausserdem an die Hauptverteilung des Hauses angeschlossen und einige Modelle können mit bis zu 22 Kilowatt laden. Das bedeutet, dass man mit einer Ladebox unter Umständen fünf- bis zehnmal schneller laden kann als über eine normale Haushaltssteckdose. Hochwertige Wallbox-Varianten können zudem auch mit einer App gesteuert werden und laden somit nicht nur schneller, sondern lassen sich auch flexibel und bequem steuern.

Worauf sollte ich bei der Auswahl einer Wallbox achten?

Bei dem Kauf einer Ladebox oder Wallbox kommt es natürlich sehr auf die individuellen Bedürfnisse und Gegebenheiten an. Aus dem grossen Angebot von verschiedenen Anbietern kann es schwierig sein, die richtige Auswahl zu treffen. Wichtig ist vor allem, dass man weiss, welche Leistung das Elektroauto aufnehmen kann, also ob es mit 3.7 Kilowatt, mit 11 oder sogar mit 22 Kilowatt laden kann, und welche Leistung über die Hauptverteilung bezogen werden kann. Die Wallbox sollte entsprechend kompatibel sein, auch hinsichtlich des Stecker-Typs. In der Regel werden heute Typ-2 Stecker verwendet, man sollte aber trotzdem sicher gehen, dass das Auto kompatibel ist

Gleichzeitig sollte einbezogen werden, ob man bereits eine PV-Anlage oder andere Smart-Home Lösungen besitzt oder zukünftig eine solche Anschaffung plant. Dementsprechend sollte schon beim Kauf der Wallbox darauf geachtet werden, dass diese auch miteinander gekoppelt werden können. Weitere Vorteile, wie beispielsweise eine App-Steuerung, Abrechnungsfunktion oder Verriegelung sind ebenfalls bei einigen Modellen verfügbar.

Eine Abrechnungsfunktion kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn man die Wallbox in einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Mietern teilt. Eine Verriegelungsfunktion kann wiederum erwogen werden, wenn die Wallbox an einem frei zugänglichen Standort installiert wird. Die Freischaltung erfolgt dann über den Schlüssel oder per RFID, so können Besitzer kontaktlos identifiziert werden.

Mit welchen Kosten muss man bei der Anschaffung rechnen?

Insgesamt muss man mit zwei Kostenblöcken rechnen: Einmal mit den Anschaffungskosten der Wallbox und mit den Installationskosten. Die reinen Kosten für Ladebox weichen recht stark voneinander ab, da diese unterschiedliche Features aufweisen. Einsteigermodelle mit geringer Ladeleistung und limitierten Ausstattungsmerkmalen beginnen bei etwa CHF 700. Nach oben hin ist die Spannweite der Preise dann sehr gross, Modelle mit gesteigerter Ausstattung und Funktionalität bewegen sich im Bereich um CHF 2’000 bis 3’000, man kann aber auch bis zu 6’000 Franken für eine Wallbox ausgeben.

Die Installationskosten betragen dann im Schnitt nochmal zwischen 1’400 bis 1’800 CHF. Da es sich bei einer Wallbox um ein Gerät handelt, welches an die Hauptverteilung des Hauses angeschlossen wird, sollte zwingend von einem Fachmann angebracht werden. Dieser kann auch etwaige bauseitige Leistungen wie Mauerdurchbrüche und die Installation von Schutzschaltern vornehmen, die bei manchen Wallbox-Modellen noch zusätzlich angebracht werden müssen.

Wie gestaltet sich die Installation der Wallbox?

Die Installation einer Ladebox ist in der Regel der Fälle für einen Fachmann relativ einfach möglich. Im Grunde kümmert sich der entsprechende Fachpartner um alle wichtigen Punkte bei der Installation. Als Kunde ist es aber sinnvoll, die Gegebenheiten seines Eigenheims zu prüfen und beispielsweise zu wissen, ob ein Wanddurchbruch nötig sein wird, wie weit der Weg zwischen dem geplanten Standort der Wallbox und der Stromverteilung ist und ob es in der Stromverteilung genug Platz für weitere Schutzvorrichtungen gibt, die bei der Installation vom Fachmann angebracht werden müssen. Je nach den Voraussetzungen braucht der Fachpartner dann etwa einen halben bis einen Tag, bis die Ladebox fertig installiert und einsatzbereit ist.

«Im Grunde kümmert sich der [...] Fachpartner um alle wichtigen Punkte bei der Installation.»

Welche Förderung gibt es in Bezug auf Wallboxen und Ladestationen?

Die Förderlandschaft in Bezug auf Wallboxen ist noch nicht sehr gut ausgebaut, da sich die meisten Zuschüsse und steuerlichen Vorteile auf den Kauf von Elektroautos beziehen. Steuerboni für Autos mit elektrischem Antrieb oder nach dem jeweiligen CO2-Ausstoss sind in einigen Kantonen bereits möglich. Für Ladestationen gibt es jedoch zumeist nur Förderung, wenn diese auch gewerblich genutzt werden. Der Kanton St. Gallen fördert beispielsweise öffentlich zugängliche Ladestationen mit maximal 50 Prozent der Installationskosten, im Kanton Bern können Unternehmen eine Förderung für das Einrichten von Ladestationen erhalten. Für die private Heimladelösung gibt es jedoch nur sehr selektive Förderung auf Kantons- oder Gemeindeebene. Eine bundesweit einheitliche Förderung gibt es bisher leider noch nicht.

Welche Entwicklungen sehen Sie hinsichtliche der Zukunft von Elektromobilität, speziell im Hinblick auf Wallboxen?

Insgesamt ist die Elektromobilität weiterhin ein Zukunftsthema und wir gehen davon aus, dass das Elektrofahrzeug und damit auch die Infrastruktur öffentlich wie privat deutlich wichtiger wird. Gleichzeitig werden Ladelösungen immer intelligenter und Aspekte wie bidirektionales Laden und die «kluge» Steuerung des Ladevorgangs geraten immer mehr in den Fokus.

Ein populäres Beispiel wäre das «Vehicle to Grid» Prinzip, bei dem ein Elektroauto nicht nur mit Strom aus dem Netz lädt, sondern diesen gegebenenfalls auch wieder an das öffentliche Netz oder das eigene Haus abgeben kann. So könnten Kapazitätsschwankungen ausgeglichen werden oder das Haus bei einem Stromausfall durch das E-Auto versorgt werden. Ein standardmässiger Einsatz dieser Technologie ist bisher allerdings noch Zukunftsmusik.

«Das Elektrofahrzeug und [...] die Infrastruktur werden öffentlich wie privat deutlich wichtiger.»

Weitere Entwicklung wie das sogenannte «Smart Charging» (intelligente Laden) werden seit einigen Jahren getestet und sind in Teilen schon verfügbar. Der Ladeprozess des Elektroautos soll damit optimiert werden, um möglichst batterieschonend zu laden, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und gleichzeitig die Phase von niedrigeren Energiepreisen auszunutzen. Das bietet sowohl einen Vorteil für den E-Autofahrer, als auch für das Stromnetz. Diese Entwicklungen zeigen, wie rasant die E-Mobility Branche weiter voranschreitet und beweist, dass uns noch einiges an spannenden Innovationen bevorsteht.

Wir danken Maximilian Cikanek herzlich für sein Einschätzungen zum Thema Heimladelösungen und Wallboxen.


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